Chemotherapie was ist das?

Hallo,
weil es morgen wieder soweit ist und ich Zyklus 2 beginne. Gibt es hier eine kurzen Überblick über so eine Chemo. Was ist eigentlich eine Chemotherapie? Wie funktioniert sowas? Bekommt man die Infusionen über die Venen oder einen Port? Hängt man echt drei Wochen durchgehend am “Tropf” (mit Tropf ist der “schöne” Ständer mit den Infusionen im Bild oben gemeint) oder darf man auch mal nach Hause? Tun die Infusionen weh? Muss man sich durchgehend übergeben?
Vorweg, ich spreche hier nur von meiner Chemotherapie (eskalierte BEACOPP). Es gibt unterschiedlichste Chemotherapien, die abhängig von der Krebsart, dem Stadium und noch einigen anderen Faktoren (übersteigt mein laienhaftes Wissen) sind.

Der Portkatheter:

AngIMG_20160329_194003efangen hat es bei mir mit der Port Operation. Am ersten Tag im Krankenhaus wurde mir unterhalb des linken Schlüsselbeins ein Portkatheter (kurz: Port) eingesetzt. Wieso braucht man ein Port, man kann die Infusionen doch auch über die Vene am Arm geben? Rein theoretisch ja, die Infusionen kann auch über die Venen am Arm verabreicht werden. Allerdings sind die Infusionen so aggressiv, dass ein Hautkontakt zu schweren Verätzungen führen würde und das beschädigte Gewebe entfernt werden müsste. Zach, wenn man bedenkt, dass einem dieses Mittel direkt in den Körper “geschossen” wird. Also ich habe mich daher lieber für den Port entschieden. Wen es interessiert wie so eine OP aussieht, hier der Link dazu: https://youtu.be/FqYJC1J6qks. Ich habe es mir nicht angeschaut, aber das Video soll sehr aufschlussreich sein.
Hier ein Foto kurz nach der Port OP.
Man kann also kurz danach schon wieder blöde Grimassen ziehen. Soll heißen, die OP ist nicht so zach. Hatte ein super Chirurgen Team, kurze lokale Betäubung, ein paar Schnitte mit dem Skalpell, Port einsetzen und mit Schlauch verbinden, annähen und dann auch schon wieder zunähen. Einziger Haken an dieser Geschichte ist, dass ein Training für die Schulter-, Brust- und Armregion zumindest am Anfang vermieden werden sollte. Nach 4-6 Wochen sollte das auch wieder möglich sein. Ich werde es testen und auch mitteilen.

Chemoinfusion

Tag 1

Am Tag nach der Port OP gab es für mich auch schon die ersten Infusionen. Im Fachchinesisch habe ich am ersten Tag folgende Infusionen erhalten: Cyclophosphamid, Etoposid (phosphat) und Adriamycin. Ich hab auch nur Bahnhof verstanden. Einfach erklärt, am ersten Tag (also Tag 1 im jeweiligen Zyklus) habe ich drei Chemoinfusionen erhalten. Schaut so aus: zuerst wird ein “Spülung” gemacht. Dh es wird der Port mit einer (ich glaube) Kochsalzlösung durchgespült. Auf dem Bild oben sieht man links oberhalb vom Pflaster einen kleinen weißen Fleck. An diesem Schlauchteil wird die Infusion angehängt und tropft dann in den Port hinein. Nach der Spülung kommt dann eine orange Infusion, hab leider den Namen vergessen. Dauert ca eine Stunde. Dann wieder eine kurze Spülung. Achja, wenn man nach der orangen Infusion pinkeln geht, dürft ihr mal raten welche Farbe der Urin hat. Dazu gibt es aber kein Foto. Hahaha… Weiter geht es mit einer Infusion, die in einem separaten Lichtschutzbeutel kommt, da sie lichtempfindlich ist. Sogar der Schlauch wird getauscht und es wird statt dem transparenten ein schwarzer Schlauch verwendet, damit wirklich kein Licht hinzu kommt. Wenn ich es richtig im Kopf habe dauert diese Infusion auch nochmal ca. eine Stunde. Danach wieder eine kurze Spülung. Und dann sind wir schon bei der letzten Infusion. Nach der letzten Infusion wird man vom Tropf befreit und Voila ich kann mich wieder frei bewegen. Alles in allem hängt man am ersten Tag so zwischen 3-4 Stunden am Tropf. Die Dauer ist auch ein wenig davon abhängig wie oft die Maschine unterbricht und piepst. Sind Gott sei Dank sehr sensibel diese Dinger. “Schreien” sofort bei jeder kleinsten Abnormalität (Luft im Schlauch, Akku leer…) und stoppen die Infusion. Damit man es wieder zum Laufen bringt, muss man die Schwester rufen. Also die machen an so einem Tag echt Meter und sind trotzdem immer freundlich. Großen Respekt!

Tag 2

Eigentlich ganz kurz. Visite in der Früh, Mittagessen und am frühen Nachmittag kommt dann die Chemo. Spülung – Lichtempfindliche Infusion – Spülung.  Dauert ca 90min und das war es auch schon für Tag 2, da ich nur eine Chemoinfusion bekomme.

Tag 3

Dasselbe Programm wie an Tag 2.
Was ich hier in allen drei Tagen nicht angeführt habe, sind die Infusionen gegen Nebenwirkungen. Leider weiß ich nicht mehr wie viele ich da pro Tag dazu bekommen habe. Diese Infusionen sind dazu da um die Nebenwirkungen wie zB Erbrechen zu verhindern.
Nach dem dritten Tag darf man auch schon wieder nach Hause.

Klingt nach Wellnessaufenthalt

So wie es aussieht ist das Ganze eigentlich eh nicht so schlimm, oder? Bisserl Infusionen bekommen und den Rest des Tages chillen, lesen und Videos schauen. Nicht zu vergessen dreimal täglich eine Mahlzeit und die Betten werden auch noch gemacht.
Naja ganz so chillig ist es nun doch nicht. Bei mir waren die ersten beiden Nächte geprägt von starker Übelkeit. In den Nächten habe ich zusätzlich noch Infusionen und Tabletten gegen Übelkeit bekommen, ansonsten wäre an schlafen nicht zu denken gewesen. Hier mal ein großes Danke an das Pflegepersonal, die mich wirklich zu jeder Uhrzeit nett und fürsorglich betreut haben und glaubt mir ich kann echt eine kleine Mimose sein (wir Männer sterben wirklich bei jeder Kleinigkeit). Untertags war die Übelkeit bei mir besser erträglich, jedoch hatte ich keinen Appetit. Was auch nicht förderlich ist, weil man doch ein wenig Energie für die Chemo braucht. Wie sich dann am Tag 3 herausgestellt hat, war die Übelkeit bei mir psychisch bedingt. Sprich mein Hirnkastl hat noch nicht verstanden gehabt, dass der Body einfach krank ist. Dafür gibt es aber eine Abhilfe und zwar so schöne rosarote Tabletten (Xanor). Die Dinger wirken echt Wunder. Hab die vor der dritten Chemo bekommen und es war deutlich besser mit der Übelkeit.
Was kann man nun wirklich untertags machen? Die meiste Zeit habe ich mit Videos schauen (Netflix und Amazon Video sei Dank!) und schlafen verbracht. Lesen geht, ist aber auf Dauer anstrengend. Was mir psychisch sehr geholfen hat, waren Spaziergänge durch das Krankenhaus. Man kommt ein wenig aus dem Zimmer raus und regt den Kreislauf an. Meist habe ich diese Zeit genutzt um in Ruhe zu telefonieren. Im Zimmer telefonieren geht zwar auch, aber meistens versucht zumindest einer im Vierer-Zimmer sich auszuruhen und da ist es eher nervig, wenn einer immer quasselt/telefoniert.

Tag 4-7

Die Tage verbringt man zu Hause. Ist schon deutlich angenehmer, wenn man im eigenen Bett schlafen kann und keine Infusionen bekommt. Am Tag 4 muss man sich selbst eine Spritze (Neulasta) setzen. Natürlich musste ich im vorhinein wieder googeln was diese Spritze kostet. Blöde Idee! Danach war ich echt ein wenig nervös, als ich mir die Spritze in den Bauch gejagt habe. Die kostet nämlich über EUR 1.700,- Teurer Spaß, wenn man da was falsch macht.
Bis einschließlich TFB_IMG_1461007156417ag 7 muss ich noch zusätzlich jeden Morgen 4 Kapseln Natulan (Chemokapseln) einnehmen. Einfach mit ein wenig Wasser runterschlucken.
Die Tage waren bei mir geprägt von Appetitlosigkeit und Kraftlosigkeit. Die Kraftlosigkeit kann man sich so vorstellen, wie wenn man nach einem harten Tag einfach nur noch ins Bett will und kaum mehr die Augen offen halten kann. Das Gefühl hat man den ganzen Tag. Hab mich in der Früh gezwungen zumindest ein paar Meter an der frischen Luft zu gehen. Mit Kinderwagen quasi einmal ums Haus und dann wieder ins Bett. Aber besser als gar keine Bewegung und frische Luft.
Am achten Tag des Zyklus geht es wieder ins Krankenhaus. Dieses mal jedoch nur für einen ambulanten Aufenthalt. Ich kleiner Streber bring natürlich wieder einen Wirbel hinein. Eigentlich sollte ich erst um 12:30 Uhr da sein, bin aber schon um 7:30 Uhr da. Dürfte sich um ein sogenanntes Kommunikationsproblem handeln. Das Pflegepersonal vor Ort ist jedoch so flexibel und schafft es sogar noch, dass ich ein eigenes Bett bekomme. Tag 8 läuft so ab, dass einem Blut abgenommen wird. Danach wird der Blutbefund bei der Visite besprochen und los geht es. Die übliche Spülung und dann wieder eine Lichtempfindliche Infusion und zusätzlich eine Chemospritze (Vincristin und Bleomycin, keine Ahnung welche welche ist). Im Anschluss noch eine Spülung und wieder mal Voila und ab nach Hause. Tag 8

Tag 9-14

An Medikamenten (Tag 1-14) muss ich nur noch Prednisolon (eine Art Cortison) und Pantoprazol (als Magenschutz) nehmen.
Diese Tage sind ebenfalls geprägt von Kraftlosigkeit. Wobei ich einen Anstieg der Energie ab Tag 10 merke. Am Tag 11 konnte ich das erste mal wieder einen längeren IMG_20160410_162501Spaziergang machen. Naja lang ist relativ, einmal die Waldrunde bei uns. Hmmm… die dauert normalerweise ca 20min. Bei mir waren es gefühlte 5h (in Echtzeit ca 35min). Aber zumindest ein Spaziergang. Tag 12 war ein befreiender Tag: Endlich wieder richtigen Sport und gleich joggen. Puls war zwar jenseits von gut und böse und die km-Zeit traue ich mich auch nicht laut sagen. Es war kein Marathon, kein Halbmarathon und auch keine 10km, aber es war ein richtiger Lauf. Geiles Gefühl!
Das für mich schwierigste in dieser Zeit war das Meiden meiner Kinder und das ständige Hände desinfizieren. Das Immunsystem wird in dieser Zeit quasi auf Null herunter gefahren und das bedeutet, dass ich für jeden noch so kleinen Infekt zu haben bin. Daher haben meine Frau und ich entschieden, dass es besser ist, wenn die Kinder nicht daheim sind. Meine Schwiegereltern waren so nett und haben unseren Kindern, trotz ihres stressigen Bauernhofsleben, “Asyl” gewährt. Für die Kinder ist es natürlich ein super Erlebnis, wenn sie bei Oma und Opa schlafen dürfen. Für mich jedoch eher eine Qual, wenn man den eigenen Kindern nicht mal eine Bussal geben darf oder sie drücken darf. Naja da muss man durch. Ein Infekt würde einfach die Chemo unterbrechen und das will ja auch keiner. Besser jetzt ein paar Tage ohne Kinder und dafür im Herbst wieder topfit.

Tag 15-21

Diese Tage werden wirklich Erholungswoche genannt, weil man in dieser Woche keine Medikamente nehmen muss und der Körper somit Zeit zum Regenerieren hat. Damit es bei mir sportlich auch wieder in eine professionelle Richtung geht, habe ich mir den Vitalmonitor besorgt. Der unterstützt mich bei der Frage, wie viel Sport aktuell gut ist für mich. Hierauf werde ich in einem anderen Blog mal genauer eingehen. Diese Woche war ich fast wieder auf normal Level. Leider eben nur fast, weil an meine Trainingspensum vor der Chemo ist nicht mal annähernd zu denken. In diesen 21 Tagen war ich zweimal laufen und hab dreimal ein “Krafttraining” (die Verwendung des Wortes Krafttraining ist eine Frechheit, besser passt ganz leichte Mobilisation, klingt halt nicht so cool). Im kommenden Zyklus möchte ich nun mit Hilfe vom Vitalmonitor deutlich mehr und vor allem früher Sport einbauen. Hab einfach gemerkt, dass es mir an Tagen mit Sport psychisch einfach noch besser geht.
So das war mal ein kurzer Überblick über meine Chemo. Falls irgendwelche Fragen auftauchen oder jemand mein laienhaftes Wissen verbessern möchte, bitte einfach das Kommentarfeld nutzen. Freu mich über jedes einzelne Kommentar. Gerne könnt ihr unten auch die Kästchen mit Reaktionen verwenden, damit ich ein Feedback erhalte.
Bis demnächst…
Bernhard
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Freue mich über jeden Einzelnen.

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