Dreckstage, Lethargie, Protestwähler…

 Hallo,
es gibt sie einfach diese Dreckstage! Tage an denen man nur hofft, dass sie bald wieder vorbei sind. Was kann man gegen solche Tage tun? Kann man während einer Chemo überhaupt etwas gegen diese Tage machen? Und was hat das mit den Protestwählern zu tun? Lest selbst….

Die Leser von meinem letzten Blog wissen, dass ich letzte Woche von Mittwoch bis Freitag wieder in der Klinik war und mir meine Chemodosis abgeholt habe. Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass mein Immunsystem gegen NULL gefahren wird, daher auch der Mundschutz auf dem Foto. Bedeutet auch wieder, dass die “kraftlosen” Tag, also die sogenannten “Dreckstage” (Sorry für das Wort, aber es stimmt) wieder kommen. In den nächsten 10 Tagen wird mein Tagesablauf wieder von Kraftlosigkeit geprägt sein. Diesen Zustand hat Eric Berry, seines Zeichen NFL Star (American Football) und Hodgkin-Bezwinger, recht gut zusammen gefasst:

“Als ob man stirbt”
“Es gab Tage, an denen ich nur das Ziel hatte, aus dem Bett aufzustehen. Oft habe ich es nicht geschafft und blieb einfach liegen. Es war hart, ein Kampf jeden Tag,” schildert der Pro-Bowler von 2013. Die Therapie raubte ihm nicht nur physisch, sondern auch psychisch die Kraft. Sein größter Gegner war nicht mehr die Krankheit, sondern er selbst: “Man kämpft nicht wirklich gegen die Chemo, sondern gegen sich selbst. Jeden Tag muss man sich überwinden, obwohl es sich anfühlt, als ob man stirbt.” Den kompletten Artikel über Eric Berry findet ihr hier unter ran.de.

Lethargie

Die Chemo an sich ist nicht das Schlimme. Ok, es gibt besseres als Zellenvernichter in den Körper injiziert zu bekommen. Die Dreckstage beginnen aber definitiv erst danach. Nämlich dann, wenn man merkt, dass die Kraftlosigkeit wieder einsetzt. Das kommt nicht von heute auf morgen, sondern man merkt es richtig mit wie man immer kraftloser wird. Normalerweise passiert das im jeweiligen Zyklus der BEACOPP gegen Tag 6 und dauert bis Tag 14. Bei mir hat es dieses mal schon am Tag 4 begonnen. Leider war es mehr eine Lethargie, weil ich eben schon weiß was auf mich zu kommt. Leider weiß ich das!

Was macht man, wenn man das Gefühl hat, dass man keine Kraft mehr hat? Ganz genau man studiert das TV Programm und glotzt den ganzen Tag in das blöde Teil. Man hat keine Lust sich an die frische Luft zu begeben (vor das offene Fenster stellen, zählt nicht). Der Appetit ist nicht vorhanden. Es schmeckt nichts. Was soll man machen, man hat einfach auf nichts Bock! So einfach ist das!

Protestwähler

Wie kommt man aus diesem Loch nun wieder heraus. Ich weiß ja, dass es noch nicht von der Chemo kommt, sondern mein Tief nur daher kommt, weil ich eben weiß, was wieder geschehen wird. Soll man nun aus den Tagen davor nicht doch noch das Beste rausholen? Denke schon! Aber WIE?
Bei mir kam das Hoch durch das Wahlverhalten bei der Bundespräsidentenwahl. Nein nein, ich habe mich nicht über den Ausgang gefreut. Bitte nicht falsch verstehen. Dennoch hat mich der Schock über diesen Ausgang aus meiner Lethargie herausgeholt. Nicht nur herausgeholt, es hat mich regelrecht wach gerüttelt. Wie erklärt man seinen Kindern, dass es in einem, von der Geschichte so geprägten, Land wie Österreich zu so einem Ergebnis kommen kann?
Wie kann man seine Kinder vor einer sich eventuell wiederholenden Zukunft bewahren? Soll man sich selbst in die Politik stürzen um etwas zu bewegen? Kann man als Einzelner überhaupt was bewegen? Das waren die ersten Gedanken, die mich wach gerüttelt haben.
So richtig wach gerüttelt!
Was mich abgesehen davon wirklich schockiert hat, ist, dass über 30% nicht zur Wahl gegangen sind. Das kann ich einfach nicht verstehen und kann ich meinen Kindern auch nicht erklären. Selbst ich habe mich aus dem Bett gequält und bin trotz hoher Ansteckungsgefahr (Immunsystem am Ar… und dann dorthin gehen wo viele Menschen sind -> nicht sehr klug) ins Wahllokal gefahren und habe meine Stimme abgegeben.
Es gibt immer noch genügend Menschen, die aus ihren Ländern flüchten, weil es von Diktatoren beherrscht wird und die keine Chance auf freie Wahlen haben. Da ist es egal ob man nun in Österreich mit der aktuellen Politik zufrieden ist oder nicht. Viele vergessen eben, dass das Wahlrecht nicht selbstverständlich ist. Und genau das hat mich so schockiert und macht mich auch traurig. Denkt mal darüber nach ihr lieben Nicht- bzw Protestwähler…

Das Gute an der Geschichte ist, dass es zumindest mich aus meinem Lethargie-Tief herausgeholt hat. Wie ihr seht, es sind manchmal die unerwarteten Dinge, die einem wieder nach oben holen, wenn auch leider mit dem falschen Wahlausgang.
So nun kann ich die letzten “fast kraftvollen Tage” doch noch nutzen.

Bis demnächst…
Bernhard

PS: Falls noch jemand wissen möchte, wie er meinen Blog abonnieren kann, hier eine kurze Anleitung.
Einfach im „Follow by Email“-Feld eure Mailadresse eingeben und ihr werdet sofort automatisch per Mail über jeden neuen Post informiert. Vom Handy aus findet ihr dieses Feld weiter unten. Vom PC aus seht ihr das Feld auf der rechten Seite.
Freue mich über jeden Einzelnen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.