Sport und Chemo

Kann man während der Chemo Sport machen? Haltet der Körper diese “Doppel”Belastung aus? Lest hier wie es mir mit Sport während der Chemo ergeht…

Hallo,
eigentlich wollte ich diesen Blog nutzen um in erster Linie das Thema “Wie kann man ein guter Vater sein und dennoch fit bleiben” näher zu erläutern. Wie ihr alle wisst, ist mir jedoch der Krebs dazwischen gekommen. Wer es genauer wissen will, findet weitere Infos hierzu unter der Rubrik “Über Mich“.

Sport und Chemo

Wenn der Sport einmal zum Leben gehört, ist es schwierig in wieder los zu lassen. Bei mir war es immer so, dass sobald ich zwei Tage keinen Sport machen konnte, wurde ich unrund. Das hat sich bei mir in Gemütsschwankungen geäußert, ich hab mich einfach in meinem Körper nicht mehr wohl gefühlt. Nach der nächsten sportlichen Einheit war dann wieder alles im Lot und ich der glücklichste Mensch.
Als ich die Diagnose Morbus Hodgkin erhalten habe, habe ich mir geschworen, dass ich den Sport so gut es geht weitermachen will. Das ich nicht mehr dieselben Workouts und Einheiten wie davor machen kann, war mir zwar bewusst, aber einsehen wollte ich es nicht gleich. Die erste richtige Einsicht ist mir erst nach der Port OP gekommen. Hier wurde mir ein Port unterhalb vom Schlüsselbein eingesetzt über den ich die Infusionen erhalten. Leider hindert mich dieser Port bei einigen Übungen, vor allem bei Überkopfübungen. Sprich Klimmzügen, Schulterpress, teilweise auch Liegestütze (abhängig von der Armstellung) usw.
Ich bin leider ein Typ, der wenn er etwas angeht, dann muss es Hand und Fuß haben. Somit war für mich der logische Schritt ein Tool zu finden, dass mir meinen aktuellen körperlichen Zustand zeigt und auf das ich mich verlassen kann. Hier bin ich auf den Vitalmonitor gestoßen. Der misst meine Herzratenvariabilität und gibt mir sofort ein Feedback über meinen aktuellen Zustand. Super Teil! Werde ich definitiv nach überstandener Therapie in meine Portfolio für meine Kunden aufnehmen.
Das war die “Hand”, fehlt also noch der “Fuß”. Weil man bei sich selbst, selten objektiv genug ist, erhalte ich zusätzlich Unterstützung von Bernhard Schimpl (Head of Science – Vitalmonitor), der so nett ist und mir bei der Trainingssteuerung behilflich ist. Als Grundlage dienen die Daten vom Vitalmonitor.

Aktuell liegt der Trainingsschwerpunkt logischerweise auf der Gesundheit. Fettverbrennung, Muskelaufbau usw ist vorerst mScreenshot_20160620-170913al zweitrangig. Die Top Priorität liegt auf der Gesundheit. Dieses Ziel kann in meinen Augen mit gezielten Sporteinheiten schneller erlangt werden. Sprich Sport – in meine Fall im speziellen Ausdauersport – unterstützt die Heilung.
Sport nimmt Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System:
– Anpassung des Herzens
– Anpassung der Ruheherzschlagfrequenz
– Anpassung der Belastungs-Herzfrequenz
– Anpassung des Blutdruckes
– Anpassung der Herzratenvariabilität

Der obige Screenshot stammt von meiner Pulsuhr und zeigt die Aktivitäten der letzten paar Tage. Schaut auf den ersten Blick beachtlich aus. So viele Einheiten als Krebspatient?!? Wow jetzt ist klar woher der Name “KrebsAthlet” kommt. Hahaha… leider trügt der Schein. Die Einheiten vom 10., 11., und 12. waren nur Spaziergänge. Am 13. habe wir einen Regenerativen Lauf versucht, Regenerativ bedeutet in einem sehr niederen Puls zu joggen. Leider hat mein Körper diese Einheit nicht gut vertragen. Der Vitalmonitor hat am Tag nach dieser “nur” regenerativen Einheit quasi keine Erholung gezeigt. Auf dem Bild unten sieht man dies recht gut bei der Regeneration. Hier ist am 13. die Regeneration in der Früh bei 87% und am 14. bei lediglich 43Screenshot_20160621-115717%. Wie ihr seht, kann man hiermit das Training relativ gut steuern.

Aus diesem Grund ist am 14. und 15. wiederum nur spazieren gehen am Programm gestanden. Ab dem 16.06. (also 9 Tage nach der letzte Chemo!!) war mein Körper bereit für “härtere” Einheiten, wobei man hier definitiv nicht von hart sprechen kann. Es standen ab diesem Tag Regenerative Läufe im Wechsel mit GA 1 Läufen auf der Agenda. GA 1 ist das Tempo, wo man sich noch recht gut unterhalten kann.

Erfahrungstipp: Nicht zu empfehlen ist ein kleiner Dauerlauf am selben Tag wie die Chemo. Hahaha… das habe ich bitter bereut. Naja wie heißt es doch so schön “Aus Fehlern lernt man!”

Status Update

So das war ein kurzer Einblick wie ich Sport und Chemo kombiniere. Morgen geht es wieder ins Krankenhaus zur (hoffentlich) letzten Chemo. Dieses mal gehe ich mit einem lachenden und weinenden Auge ins Krankenhaus. Lachend deswegen weil es hoffentlich die letzte Chemo ist. Weinend weil mir einfach wieder ein paar “Dreckstage” bevorstehen. Dieses mal habe ich mir beim Arzt wieder VitaminC- und Multivitamin-Infusionen geholt damit mein Körper bestens versorgt ist. Bei den ersten Chemos habe ich das genauso gemacht und die Chemos gut vertragen. Die letzten beiden Chemos habe ich ohne diese Infusionen gemacht. Vielleicht ist das der Grund wieso es mir bei den letzten beiden Chemos so schlecht gegangen ist. Mal schauen! Werde es euch dann mitteilen. Achja so leid es mir für euch tut, ich bete, dass das Wetter in den nächsten Tagen schlecht wird. Bei den “Dreckstagen” ist die kühle frische Luft angenehmer als die Hitze.

Bis dann…
Bernhard

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