Inspiring People – Darmkrebs

Benni Cancelling Cancer

Hallo zusammen,
inspirierender geht es nicht  – in meiner neuen Kategorie “Inspiring People” stelle ich euch heute Benni von Cancelling Cancer – kein Weg zu weit vor! Dieser junge Kerl hat mit 20 Jahren die Diagnose Darmkrebs erhalten. Nicht nur das! Er ist unheilbar an Krebs erkrankt. Dennoch spricht er vollkommen offen über seinen Kinderwunsch, seine Hochzeit und seine Meerschweinchen. 😁 Obwohl ich fast ein Jahrzehnt älter bin als dieser Kerl, ist er für mich eine der geilsten Typen, den ich je getroffen habe. Lasst euch ebenfalls von ihm mitreißen. Viel Spaß mit der Lebensfreude/Motivation, die hier überspringt …

INSPIRING PEOPLE

Hi Benni, erzähl uns was über den Menschen, der hinter “Cancelling Cancer – Kein Weg zu hart” steckt!

inspiring people darmkrebs

Ich bin Benni, 27 Jahre alt und wohne mit meiner Frau und 3 Meerschweinchen in Schwäbisch Hall. Ursprünglich komme ich aus Schrozberg, einem kleinen Örtchen im Norden von Baden-Württemberg. Nach der Schule wollte ich studieren, hab mich zuerst an Physik (in Darmstadt) versucht, dann aber, auch wegen der „Anonymität“ und der Größe der Uni an die Hochschule in Aalen gewechselt. Dort habe ich 2 Semester Optoelektronik studiert, als dann die Diagnose Darmkrebs kam. Das war im Mai 2010. Tja, und viel weiter bin ich noch nicht gekommen 😉 Nach vielen Behandlungen bin ich aktuell zwar unheilbar, aber stabil und mach dauerhaft Chemo. Ich bin sehr aktiv in der Selbsthilfe, sowohl vor Ort als auch im Netz.

Was macht dich einzigartig?

benni

Hallo, ich bekam mit 20 Darmkrebs, ist das nicht einzigartig genug? Ne Spaß beiseite – Gute Frage, vor allem als Zwilling 😀 Früher gab es uns nur zu zweit.
Ich bin einfach der nette Junge von nebenan. Immer lieb und hilfsbereit. Ich versuche mit jedem klarzukommen und es allen recht zumachen, was mir aber manchmal selbst im Weg steht. Ebenso bin ich ein sehr positiver Mensch und versuche damit auch andere aufzumuntern. Weiters engagiere ich mich gerne vielfältig, bin aber niemand, der direkt im Vordergrund stehen muss.
Achja, und ich hab 2 Beutel am Bauch.

Würdest du dich selbst als Familienmensch bezeichnen?

Hm … also mir ist Familie schon sehr wichtig. Aber Freunde auch. Ich finde es sollte ein gutes Gleichgewicht da sein. Meiner Mama war Familie immer sehr wichtig, du da hab ich irgendwie viel mitgenommen. Andererseits ist das Thema, ob wir auch ein Kind bekommen sollen immer noch nicht ganz geklärt, das ist ein großes Thema in unserer Ehe. Ist einfach schwierig mit der Krankheit.

Ich stell jetzt mal nicht die obligatorische Frage, wie du mit der Diagnose Darmkrebs umgegangen bist sondern wie hat dein Umfeld diese Nachricht aufgenommen?

Meine Freundin war natürlich total schockiert und wir waren beide irgendwie total vor den Kopf gestoßen. Auch meine Mutter hat es sehr mitgenommen, vor allem bekam sie ja kurz darauf selbst die Diagnose. Mein Vater war da eher ruhiger und hat das erstmal rational gesehen – er war in der Zeit schon ein wichtiger Fels in der Brandung. Mein Bruder hat mich gleich darin unterstützt den Kampf aufzunehmen. Andere Verwandte wusste oft nicht wie reagieren und haben sich wohl erst nicht getraut mich direkt darauf anzusprechen. Auch bei Freunden war es ganz unterschiedlich. Es gibt immer welche, mit denen kann man super auch über solche Themen reden, und mit anderen widerrum gar nicht. Aber auch die sind wichtig, um sich abzulenken und auf andere Gedanken zu kommen. Es gab zum Glück praktisch niemand, der sich irgendwie direkt von mir abgewendet hat.

Hast du einen Tipp wie man seine Ziele erreichen bzw. die Motivation hoch halten kann?

Freunde und Familie sind wichtig, im Idealfall ist da natürlich ein Lebenspartner, für den man überleben will, aber auch eine gutes Selbstbewusstsein. Man muss auch negativen Gedanken Platz einräumen, und sie rauslassen. Aber sie dürfen nicht die Überhand gewinnen.
Und gerade am Anfang, einfach mal Schritt-für-Schritt denken und erst mal nicht zu viel an die Zukunft denken. Mal sollte sich bewusst machen, was einen glücklich macht und womit man sich gut ablenken kann, um mal komplett aus dem Alltag zu flüchten. Und dafür sollte man sich dann immer Zeit nehmen könne.

Was definiert für dich „Erfolg“?

Cancelling Cancer

Erfolg? Erfolg ist, wenn ich glücklich bin. Glücklich mit der aktuellen Situation, mit meinem Leben. Klar, früher war mich Erfolg viel mehr leistungsorientiert. In der Schule war ich so der typische Streber. Aber das hat sich sehr gewandelt. Man sollte sich nicht zu sehr unter Druck setzen, und auch kleine Ziele feiern. Erfolg ist für mich etwas ganz persönlich, und sollte nicht irgendwelche vorgeschriebenen Normen der Gesellschaft haben.

Wie bist du zum Bloggen gekommen? Gibt es einen speziellen Grund wieso du mit dem Bloggen begonnen hast?

Anfangs war es erstmal hauptsächlich, um Verwandte und Freunde auf dem Laufenden zu halten, die ich nicht so oft sehe. Natürlich war es von Anfang auch ein Stück weit Verarbeitung und einfach als Gedächtnisstütze. Aber da ich zu dem Zeitpunkt keine akuten Behandlungen sondern schon die Dauerchemo hatte, war das nicht im Vordergrund.
Nach und nach hab ich dann gemerkt, wie viel man damit bei Menschen auslöst und dass mehr sehr vielen helfen kann. Das ist mittlerweile eigentlich eins meiner Hauptgründe: Informieren – aufklären – Mut machen. Aber auch der Kontakt zu anderen über das Internet ist ein sehr wichtiger Faktor.

Gibt es ein aktuelles Projekt von dem du uns berichten möchtest?

Puh, ähm Projekt… das klingt so nach straffer Organisation, aber ich sehe das eher so als Hobby. Also momentan arbeite ich mich in die Struktur bei der ILCO (Selbsthilfe Darmkrebs/Stoma) ein, und will da die jüngere Generation vertreten. Dann sind da natürlich die regelmäßigen Treffen meiner jungen SHG hier in der Region. Außerdem mische ich ja auch bei dem Verein Rote Hose Darmkrebsvorsorge e.V. mit, da sind wir gerade dabei, Aktionen für den Darmkrebsmonat März auszuarbeiten.
Ich hab noch einige Ideen im Kopf, die ich gerne umsetzten würde, vor allem, um meinen YouTube-Kanal mehr zu beleben.

Was kannst du anderen Bloggern mit auf den Weg geben?

Man sollte auf jeden Fall ein gutes Gefühl beim Bloggen haben, und darin einen Mehrwert für sich selbst sehen, nur ausschließlich für andere. Wenn man sich gezwungen sieht einen Eintrag zu verfassen, läuft irgendwas schief. Und man sollte sich nicht zu viel von anderen reinreden lassen, auch auf Kritik vorbereitet sein. Außerdem sollte man nicht unbedingt erwarten, dadurch „berühmt“ zu werden und zu großen Wert auf möglichst große Reichweite zu legen. Das kommt schnell arrogant rüber. Letztendlich zählt jeder Einzelne, dem man ein bisschen weiterhelfen kann. Aber trotzdem sollte man sich einer gewissen Verantwortung bewusst sein, da man mit der Zeit ja wirklich viele Leute erreichen kann, die Hilfe erwarten. Und auch ich komme oft an den Punkt wo ich sagen: Da kann ich jetzt echt nix machen – geh zum Arzt!

Bist du schon einmal so richtig auf die „Schnauze“ geflogen bei einem Projekt?

Naja, eigentlich nicht so wirklich. Aber 2 Sachen fallen mir ein.
Einmal hab ich ja dieses „Bullshit-Bingo“ zum Thema „Floskeln, die man als Krebspatient nicht mehr hören kann“ gemacht. Und das hat echt ziemliche Wellen geschlagen, weil man vielen Nichtbetroffenen als undankbar erscheint, wenn man z.B. sagt, dass man „wird schon wieder“ nicht mehr hören will. Da gingen die Meinungen echt weit auseinander, was ich so nicht erwartet hatte. Aber das hat mir eben nochmal deutlich gezeigt, wie es manchmal für Außenstehende extrem schwer ist, unserer Gefühle nachzuvollziehen.
Das andere Mal war bei einen Vortrag bei einem Stoma Tag in einem Krankenhaus. Da hielt ich einen kurzen Vortrag zu meiner Geschichte und so. Jedenfalls hab ich das Thema Impotenz auch erwähnt, und dass es eben in meinem Alter mit Mitte 20 echt heftig ist. Hab ich wohl irgendwie unglücklich formuliert, so dass es rüberkam, also würde ich denken, ab einem bestimmten Alter ist das Sexleben eh passé. Das haben sie dann aber in persönlichen Rückmeldungen deutlich widerlegt 😁.

Gibt/gab es Momente in deinem Leben wo du dir denkst/dachtest: Wieso mache ich das überhaupt?

Bisher zum Glück noch nicht, also so schlechte Erfahrungen hatte ich zum Glück noch nicht mit dem Bloggen. Eher dann halt mit der Krankheit an sich, dass man eben mal so am Boden ist, dass man kein Bock hat was zu schreiben, aber das kommt eben vor.

Könntest du uns einen typischen Tag von dir beschreiben? Hast du gewisse Routinen, die jeden Tag sein müssen?

Oh oh. Also das ist total unspektakulär. Ich verbring viel zu viel Zeit daheim, gerade jetzt in der kalten Jahreszeit. Durch die Antidepressiva schlaf ich jetzt noch ein bisschen mehr als sowieso. Naja, Routinen sind eigentlich nur ein bisschen Hausarbeit und die Meerschweinchen füttern. Gut, ein paar Tabletten morgens und abends, und klar, die Beutel wechseln / Beutel leeren vom Kolostoma und Urostoma. Ehrlich gesagt bin ich froh, wenn ich mal einen Grund habe aus der Wohnung rauszukommen und ich freu mich immer über Besuch.

Zum Abschluss noch eine klein wenig persönlichere Frage: Gibt es eine Angewohnheit an dir, die dich selber nervt? 😉

Ja, ich bin total faul und unsportlich.

Benni, vielen lieben Dank für das offene und vor allem inspirierende Interview. Bin davon überzeugt, dass du anderen Darmkrebs Patienten durch deine motivierende Art ein Vorbild bist. Wünsche dir alles gute und bleib so locker wie du bist, das ist sehr erfrischend.

Hoffe euch hat das “Inspiring People Interview” mit Bennis gefallen und genauso inspiriert wie mich.

Solltet ihr Fragen an Benni haben, könnt ihr ihn gerne über seine Facebook Seite “Cancelling Cancer – Kein Weg zu hart” kontaktieren.

Bis bald
Bernhard

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