Halbe Lunge ganze Sache!!! – Ironman mal anders

Ironman

Hallo zusammen,
Ironman mal anders” ist nicht meine Geschichte. Dieses mal geht es nicht um mich! Seit einiger Zeit verfolgt Herbert schon meinen Blog. Unter anderem hat er auch an der #220pushupchallenge teilgenommen. Im Zuge eben dieser Challenge sind wir ins Reden (besser gesagt ins Schreiben via Facebook) gekommen. Wie sich heraus gestellt hat, hat Herbert ebenfalls gerade mit dem Krebs gekämpft. Deshalb freut es mich doppelt, dass er sich die Zeit genommen hat um uns seine Geschichte zu erzählen! So viel kann ich euch schon verraten, ich war total gebannt von dieser Geschichte.😍

Meine Geschichte

Es ist mir eine Ehre meine Geschichte auf diesem Blog “BänäFIT by Bernhard Hengl” erzählen zu dürfen.
Nachdem meine letzte Untersuchung wieder sehr gut ausgefallen ist schreibe ich diese Zeilen mit einem großen Lächeln.
Ich führte jahrelang ein ganz gewöhnliches Leben. Arbeit, Familie, wenig Bewegung dafür mindestens 2 Päckchen Zigaretten. Ich fühlte mich mit 35 alt und ausgelaugt aber es geht ja Anderen auch nicht anders. Mit 40 hörte ich auf zu rauchen, aß dafür umso mehr und es dauerte nicht lange und ich war knapp vor dem berühmten 100.

Abnehmen geht jedoch nur mit Bewegung somit blieb mir nichts anderes übrig. Ich begann auf dem verstaubten Heimtrainer zu radeln und ging Walken. Siehe da es gefiel mir immer mehr ….. Dann kam die große Wende ich sah im Fernsehen einen Beitrag vom Ironman auf Hawaii🏊🚴🏃, sofort beschloss ich: ” Das werde ich auch schaffen, 3,8 km Schwimmen 180 km Radfahren und dann einen Marathon laufen ”

Natürlich wurde ich belächelt. Als Asthmatiker ist es auch nicht allzu leicht mit dem Sport zu beginnen, aber es geht und wird immer besser. Mit 49 Jahren erfüllte ich mir den Traum Ironman, zwar nicht auf Hawaii aber in Podersdorf absolvierte ich die Langdistanz. Der Sport war ein Teil meines Lebens geworden, ich fühlte mich wohl und war top fit.

Die Wende

Im November des selben Jahres nahm ich an einem 24 Stunden Schwimmen teil. Plötzlich hatte ich große Atemprobleme und musste das Schwimmen vorzeitig beenden. Anfangs dachte ich an Asthma und wollte mir vom Arzt eigentlich nur ein neues Medikament holen doch es kam anders ….
Ich musste zum Lungenröntgen, wo eine Lungenentzündung festgestellt wurde. 2 Wochen Antibiotika und der Fall ist erledigt, doch wieder kam es anders….
Bei der Kontrolle hatte sich nichts geändert, somit wurde ich zum CT geschickt. Ich spürte schon das es diesmal ernster sein würde, meine Frau beruhigte mich, schließlich hatte ich vor 2 Monaten einen Ironman gefinished und mein letzter Marathon in Graz war gerade einmal 4 Wochen her.

Plattenepitelkarzinom

Doch dieses CT sollte mein Leben schwerwiegend ändern: Diagnose Plattenepitelkarzinom 8×9 cm großVon da an ging alles sehr schnell, ich wurde von der Haarwurzel bis zum Zehennagel durchgecheckt. Zu meinem großen Glück hatte der Tumor nicht gestreut und mein Körper war Metastasenfrei. Der Tumor war für eine Operation jedoch viel zu groß und so musste versucht werden mit einer Chemotherapie das Karzinom zu verkleinern, denn ohne OP keine Heilung.

Arbeit und Chemo

So begann mein erster von 4 Zyklen am 31.12.2015!
Ich wollte trotz allem weiter arbeiten gehen und sporteln, das heißt vormittags arbeiten und am Nachmittag 6-7 Stunden Chemo. Bis auf wenige Tage hielt ich das auch durch aber ich kann nur sagen es war die Hölle. Wenn das Gift in meinen Körper tropfte hatte ich immer das Gefühl als würden kleine Soldaten über meine Vene eindringen und auf alles schießen was sich bewegt. Ob gut oder böse!!!
Ich spürte natürlich auch die immer größer werdende Schwäche, so als würde man immer mehr Luft aus einem Ball entweichen lassen. Ich arbeite als Briefträger bei der Post und es war extrem hart die 8-10km inklusive Post am Tag zurück zu legen.
Wenn ich laufen ging begleitet mich meine Frau mit dem Rad da ich immer wieder schwindlig wurde, es war hart aber ich zog es durch. Ich bemühte mich meinen Körper so gut es ging fit zu halten, die Kraft ließ jedoch immer mehr nach, kaum hatte ich mich ein wenig erholt kam die nächste Giftbombe.

Mein neuer Ironman

Ich sah meine Krankheit wie einen Ironman:

Die Chemotherapie sah ich als Schwimmen, die OP als Radfahren und die weitere Chemo als Abschlusslauf.

Ironman

Anfang März endete der 3.Zyklus der “Gifttherapie” und ich musste erneut zum CT. Die Aufnahmen zeigten das mein Tumor den ich übrigens ” Heinzi ” taufte um fast die Hälfte kleiner geworden war, somit bestand die Möglichkeit einer Lungenflügelentfernung.
Nach mehreren Untersuchungen der Lungen und Herzfunktion wurde mir am 31.3.2016 die  linke Lungenhälfte samt nebenliegenden Lymphknoten entfernt.

Naja meine 2. Disziplin war auch nicht einfach, Schmerzen und Atemnot lösten einander ab. Meine Familie war heil froh das ich diese Krankheit wohl überleben werde, doch ich dachte ununterbrochen an meinen geliebten Sport, ob der wohl noch möglich war.

Die histologische Untersuchung zeigte das alle Lymphknoten frei von Metastasen waren und ich somit komplett Krebsfrei bin! Ein Tag voll Freude endete jedoch mit der Anordnung meines Onkologen, der meinte er möchte zur Sicherheit noch einmal Chemotherapie machen!!! Nicht noch einmal, alles in mir weigerte sich doch ich willigte schließlich doch ein und bekam noch einen Zyklus einer ähnlichen Chemotherapie.

Endlich nur noch der Marathon

Mein Marathon hatte begonnen und er wurde zum schwersten Lauf meines Lebens. Das Blutbild verschlechterte sich, ich kam fast nicht mehr aus dem Bett und mir war Hunde elend. Ich röchelte im Bett vor mich hin und wartet jeden Tag auf eine Besserung doch sie kam nicht. Erst als ich eigene Spritzen fürs Blut bekam und jede Menge Antibiotika gegen Entzündungen kam ich langsam wieder auf die Beine.Ironman

Eine Rehabilitation in Bad Tatzmannsdorf half mir jedoch viel weiter. Dort begann ich wieder mit Sport. Ich ging ins Freibad und schwamm eine Länge im Kinderbecken, es waren 25 Meter und ich brauchte einige Minuten um wieder normal atmen zu können. Mit dem Mountainbike fuhr ich 9 km in 50 Minuten, meine Gesichtsfarbe war danach eine Mischung aus grau und weiß, aber ich war glücklich. Bei meinen Spaziergängen probierte ich kurz zu laufen, wenige Meter und mir blieb die Luft weg.

Neustart

So das war der Beginn. Ich hatte eine neue Idee. Ich will der Erste sein der mit nur einer halben Lunge und 40% Lungenvolumen einen Ironman schafft. Aus 25 Metern will ich wieder 3,8km machen, aus den 9 km beim Radfahren sollen 180 km werden und Laufen wird auch wieder funktionieren.

Ich suchte mir natürlich auch Ärzte aus, die mein Vorhaben unterstützen und begann wieder zu sporteln. Zwei Monate später bestritt ich wieder einen Triathlon über die olympische Distanz. Ich durfte als Einziger wegen meines Handicaps mit Neoprenanzug schwimmen, sonst hätte ich nicht antreten können. So schwamm ich 1,5km fuhr anschließend 40 km mit meinem selbstgebauten Rad und ging/trabte die 10 km Laufstrecke ins Ziel. Ich war überglücklich bekam Anfeuerung von allen Seiten und die Ära “Halbe Lunge ganze Sache” begann.

Im Oktober lief ich schön langsam in Graz den Halbmarathon, eine eigene Erfahrung denn ich sah keinen Läufer mehr vor mir aber ich genoss es wie selten zuvor, nebenbei wurde ich nicht einmal Letzter.
Heuer steht neben 2 Marathons ein Ironman 70.3 ( Halbdistanz) auf dem Programm und 2018 rüste ich wieder für den großen Tag !!!

Meine Engel

Zu meiner Heilung trugen viele Faktoren bei. Meine Familie war und ist einzigartig, etliche gute Freunde, meine Spitzenärzte und Schwestern, mein Freund von Oben, viel Glück und zu guter letzt der Sport. Er brachte mich in eine gute Ausgangsposition, ich war top fit und  er hielt mich fit. Ich dachte nie ans Sterben, sondern daran ob ich je wieder laufen kann. Der Sport schirmte viel von mir ab, und jetzt trainiert er zusätzlich zum Körper natürlich auch mein Luftvolumen.

Ich hoffe mit meiner Geschichte jemanden Mut zu machen nicht aufzugeben und ” keep on running and never give up”

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